Warburg, Nordrhein-Westfalen

Was eine Solaranlage eigentlich die ganze Zeit tut

Notizen zu Datenloggern, Auswertungssoftware und der eigenen Anlage — geschrieben von jemandem, der das seit Jahren nebenbei betreibt.

Eine Photovoltaikanlage produziert Strom, egal ob jemand hinschaut oder nicht. Das ist im Grunde beruhigend — und genau das Problem. Wer seine Erträge nur einmal im Quartal von der Abrechnung abliest, merkt einen ausgefallenen String erst Monate später, wenn überhaupt. Ich trage meine Zahlen nicht mehr von Hand ein. Seit einiger Zeit hängt ein Datenlogger zwischen meinen Wechselrichtern und dem Internet, der genau das übernimmt, und diese Seite ist im Wesentlichen die Sammlung dessen, was ich dabei über die verfügbare Hard- und Software gelernt habe.

Der Ausgangspunkt ist immer derselbe: eine Solaranlage soll sich rentieren. Bei einem 10-Megawatt-Solarpark redet niemand darüber, ob sich Monitoring lohnt — das ist selbstverständlich. Bei der 6-kWp-Anlage auf dem eigenen Dach wird das seltsamerweise oft als Luxus behandelt, dabei ist die Rechnung dieselbe: Ein System, das nicht überwacht wird, läuft im Zweifel wochenlang mit halber Leistung, ohne dass es irgendwem auffällt.

Woran man das merkt

Ein durchgebrannter String, ein Wechselrichter, der sich alle paar Tage neu startet, ein MPP-Tracker, der wegen einer losen Klemme nur noch die halbe Spannung sieht — das sind keine dramatischen Ausfälle. Die Anlage liefert weiter Strom, nur eben deutlich weniger als sie sollte, und genau das macht solche Fehler so leicht zu übersehen. Ein Datenlogger, der die Erträge kontinuierlich aufzeichnet, macht diesen schleichenden Verlust sichtbar: nicht als vages Gefühl, sondern als Knick in einer Kurve, den man mit dem Vortag oder dem Vorjahresmonat vergleichen kann.

Woraus diese Seite besteht

Drei Bereiche: Datenlogger — die Hardware, die zwischen Wechselrichter und Internet vermittelt, am Beispiel von Solar-Log und SunWatch. Software — Auswertungswerkzeuge wie SolarAnalyzer, ZonPHP und SolarView, die aus den Rohdaten mehr herausholen, als die Weboberfläche des Loggers selbst hergibt. Und schließlich meine eigene Anlage, live eingebunden — zwei Wechselrichter, 10 kWp Gesamtleistung, kein Screenshot, sondern die echten, aktuellen Werte.

Was das kostet

Nicht jede Lösung hier bedeutet einen Neukauf. Die dedizierte Logger-Hardware (Solar-Log, SunWatch) kostet Geld und wird angeschlossen — fertig. Die Software-Lösungen sind gemischt: SolarAnalyzer ist in der Online-Variante kostenlos nutzbar, eine Pro-Lizenz für die Desktop-Anwendung ist optional. ZonPHP ist quelloffen und kostenlos — dafür braucht es einen alten Rechner, der sowieso schon läuft, etwas HTML-Grundwissen und ein bisschen Geduld beim Einrichten. SolarView@Fritzbox läuft auf einer Fritzbox, die vermutlich längst im Flur steht, mit kostenloser Testphase vor dem Lizenzkauf. Wer also erst einmal ausprobieren will, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt, fängt am besten bei ZonPHP an — das kostet außer Zeit nichts.

Ein paar Begriffe vorab

Wer neu im Thema ist, stolpert schnell über Abkürzungen, die auf jeder zweiten Seite dieser Website vorkommen. Kurz erklärt:

kWp (Kilowatt-Peak)
Die Nennleistung der Anlage unter Laborbedingungen (Standard Test Conditions) — eine feste Zahl, die auf dem Typenschild steht, unabhängig vom Wetter.
kWh (Kilowattstunde)
Die tatsächlich erzeugte Energiemenge über einen Zeitraum — das, was am Ende auf der Ertragskurve steht und was der Netzbetreiber vergütet.
Spezifischer Ertrag
kWh geteilt durch kWp, meist pro Jahr angegeben. Erlaubt den Vergleich zweier unterschiedlich großer Anlagen unabhängig von ihrer Größe — und taucht als Kennzahl auch direkt im eingebetteten Solar-Log-Widget dieser Seite auf.
MPP-Tracker
Die Elektronik im Wechselrichter, die laufend den Punkt auf der Strom-Spannungs-Kennlinie sucht, an dem ein angeschlossener String gerade die meiste Leistung liefert. Mehrere Tracker pro Wechselrichter erlauben unterschiedlich ausgerichtete Dachflächen an einem Gerät.